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Fachreise der Tux-Zillertaler in die Schweiz

Vom 9. - 11. Mai 2014 fand die Fachreise der Tux-Zillertaler ZüchterInnen im Rahmen des Bildungsprojektes der Zentralen Arbeitsgemeinschaft österreichischer Rinderzüchter  (ZAR) „Professionalisierung und Qualitätssicherung in der Rinderzucht“ statt.

Insgesamt nutzten 30 Teilnehmer das interessante Angebot unter Leitung von Zuchtleiter Ing. Christian Moser und Projektleiter DI Martin Unterweger.

Die Tux-Zillertaler aus Österreich haben sich auf dem Betrieb der Familie Murpf schon sehr gut eingewöhnt.

Seit 2009 gibt es in der Schweiz Tux-Zillertaler. Mittlerweile wurden über 200 Tiere in die Schweiz exportiert. Die Rasse erfreut sich dort größter Beliebtheit und hat sich dort mittlerweile erfolgreich in der Mutterkuhhaltung etabliert. Zudem wurden Anfang der 80iger Jahre bei der Rettung der Tux-Zillertaler Eringerstiere zur Blutauffrischung eingesetzt.

Ziele der Reise waren demnach auch die Vorstellung des Schweizer Zuchtprogrammes, die Erarbeitung von Entscheidungshilfen für die züchterische Ausrichtung der Rasse und die Kontaktaufnahme über Möglichkeiten der gemeinsamen züchterischen Zusammenarbeit bzw.  über ev. Blutaustausch zur Inzuchtvermeidung.

Für die Schweizer Milchproduzenten sind die Zeiten schon seit Jahren sehr schwierig. Dies bewies der Besuch des Betriebes der Familie Gisler mit 150 Milchkühen und über 100 ha Fläche.

Am ersten Tag wurden zwei Betriebe im Raum St. Gallen besichtigt. Der erste Betrieb,  die Betriebsgemeinschaft Gisler in Littenheit,  zeigte die große Herausforderung an Schweizer Milchproduzenten seit Wegfall der Quote 2009. Auf dem Betrieb werden 145 Kühe (2/3 Braunvieh und 1/3 Holsteins) gehalten. Der Betrieb ist ein reiner Pachtbetrieb mit rund 300 Rindern und knapp über 100 ha bewirtschafteter Fläche. Im Jahr werden 1,3 Millionen Liter Milch geliefert. „Mehr Milch produzieren und diese zu einem niedrigeren Preis verkaufen“, resümierte die Betriebsleiterfamilie die Änderungen seit dem Wegfall der Quote. Der Milchpreis lag vor dem Wegfall der Quote bei umgerechnet ca. 64 Cent und schwankt derzeit um die 50 Cent. Das klingt vielleicht nicht so schlecht, relativiert sich aber bei genauerer Betrachtung der erhöhten Produktionskosten. Der zweite Betriebsbesuch galt dem Betrieb des Viehhandelsunternehmen Hinder in Zuzwil. Über diese Firma liefen sehr viele Exporte von Tux-Zillertalern in die Schweiz. Zudem ist der Betrieb mit rund 60 Milchkühen ebenfalls ein großer Milchviehbetrieb. Auf beiden Betrieben wurde den Teilnehmern klar, welche großen Probleme auf dem Schweizer Milchmarkt herrschen. Vor allem für die Tux-Zillertaler Züchter stellt sich die Frage, wie man mit einer Durchschnittsleistung von 4.500 Milch-kg auf diesem Markt erfolgreich arbeitet. Hervorzuheben war das hervorragende Management auf beiden Betrieben, welches bei vielen Teilnehmern für große Anerkennung sorgte.

Als Zeichen des Dankes gab es für Astrid und Stefan Murpf einen „Kumpf“, überreicht von Obmann Alois Huber (links) und Zuchtleiter Christian Moser.

Der zweite Tag führte die Gruppe auf den Betrieb der Familie Murpf in das Entlebuch. Stefan Murpf ist auch der Präsident der Schweizer Tux-Zillertaler Züchter. Er hat 40 Tux-Zillertaler Rinder aus Österreich importiert. Aufgrund der sehr schwierigen Umweltverhältnisse mit steilen und nassen Böden hat sich die Tux-Zillertaler Rasse auf dem Betrieb bestens bewährt. Beeindruckend war für die Teilnehmer, wie im Gegensatz zum Milchmarkt, in der Schweiz der Rindfleischmarkt mit hohen Preisen für die Produzenten boomt. So erlöst man für ein sogenanntes „Natura Beef“ (Kalb mit max. 10 Monaten) einen Schlachterlös von bis zu € 9. Deshalb stellen auch viele Milchproduzenten auf Mutterkuhhaltung um. Die züchterische Betreuung der Rasse gibt es seit 2009 unter dem Dach von Mutterkuh Schweiz. Um sich besser präsentieren zu können, wurde 2013 auch ein eigener Rassenclub für die Tux-Zillertaler in der Schweiz gegründet. Nachmittags ging die Reise weiter in das Wallis, wo ein Eringerbetrieb in Argan besichtigt wurde. Der Betrieb wird im Nebenerwerb geführt. Die rund 40 Eringertiere werden entgegen der Norm in einem Laufstall gehalten. Auch in der Schweiz gibt es immer mehr die Tendenz, dass aus Gründen des Tierwohls und Tierschutzes immer mehr Laufställe gebaut werden. Dieser Trend hält auch nicht an vor einer alten Traditionsrasse wie den Eringern.

Beim Kuhkampf geht es um viel – die Siegerin steigert ihren Wert auf 20.000 bis 40.000 €.

Am dritten Tag wurde das nationale Finale im Kuhkampf in Aproz besucht. Knapp 200 Tiere kämpfen hier vor rund 10.000 Besuchern (Eintritt 20 Franken pro Person). Unvorstellbar war dabei, dass die Veranstaltung im Schweizer Fernsehen sieben Stunden lang live übertragen wurde. Die Veranstaltung zeigte vor allem, welchen Stellenwert die Schweizer Landwirtschaft mit ihrer Tradition und Produktion in der Gesellschaft hat – „hier könnte man fast neidisch werden“. Den Titel bei den Kuhkämpfen holte schlussendlich mit FREGATE eine Außenseiterin. Sie holte mit ihren 643 kg den Titel in einem wahren Nachtkampf um 21.30 Uhr nach insgesamt einer gesamten Dauer der Veranstaltung von 14 Stunden. Mit ihrem Sieg hat sie ihren Wert auf 20.000 bis 50.000 € gesteigert.

Diese Fachreise hat eine intensive Diskussion bei Funktionären und Züchtern angeregt, welche unbedingt notwendig ist, um die Zukunft der Tux-Zillertaler Rasse neu zu überdenken und auszurichten. Zahlreiche Diskussionen auf der Heimfahrt bestätigten den Erfolg und die Wichtigkeit dieser Bildungsreise im Sinne der Weiterentwicklung der Tux-Zillertaler Rasse.

30 Teilnehmer nahmen an der Exkursion teil.

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