Sprachauswahl


RINDERZUCHT AUSTRIA trifft CBAT

Der türkische Rinderzuchtverband CBAT lud die ZAR zu einem Gesprächs- und Informationsaustausch nach Ankara und in die Zuchtgebiete rund um Izmir.

Stärkung der Zusammenarbeit mit dem türkischen Rinderzuchtverband

Fachlicher Informationsaustausch in der Zentrale des türkischen Rinderzuchtverbandes CBAT in Ankara.

Aufgrund der guten Beziehungen zum staatlichen türkischen Rinderzuchtverband CBAT (Cattle Breeders Association of Turkey) wurde der Vorstand der ZAR zu einem mehrtägigen Gesprächs- und Informationstausch vom 16. bis 20. November in die Türkei eingeladen. Der Aufenthalt führte von der Hauptstadt Ankara über die Zuchtgebiete rund um Izmir und Balikesir nach Istanbul.

Jungzüchterprofi: bald auch in der Türkei?

Gespräche in der Generaldirektion Landwirtschaft in Ankara, v.l.: Hüseyin Velioglu (GS CBAT), Franz Sturmlechner (GF ZAR), Cemalettin Özden (Präsident CBAT), , Herrn Mustafa Kahan (Generaldirektor der Abteilung Landwirtschaft), ZAR-Obmann Anton Wagner.                                  

 

Gleich zu Beginn der Informationsreise stand ein Besuch der CBAT-Zentrale in Ankara auf der Agenda. Dabei würdigten der Präsident von CBAT, Herr Cemalettin Özden, sowie der Generalsekretär, Dr. Hüseyin Velioglu, die gute Zusammenarbeit am Rindersektor zwischen Österreich und der Türkei. CBAT ist im Vergleich zur 60 Jahre „alten“ ZAR ein relativ junger Verein, der im Jahre 1998 gegründet wurde. Der Wunsch wurde bekräftigt, die Beziehungen nicht nur auf Tier- und Samenlieferungen zu beschränken, sondern weiterhin begleitend zu den Exporten spezifisch organisierte Ausbildungsmodule für türkische Rinderzüchter und auch Veterinäre weiterzuführen.

Die Obfrau der Österreichischen Jungzüchtervereinigung, Gerlinde Halbartschlager, stellte die Organisation der Jungzüchterarbeit und deren zahlreiche Aktivitäten in Österreich sowie das Erfolgsprojekt „Jungzüchterprofi“ vor. Die Gastgeber zeigten sich von dem Konzept und den Aktivitäten begeistert und überlegen, ein ähnliches Konzept mit Hilfe der ZAR in der Türkei zu etablieren.

Neues Veterinärzeugnis ab Jänner 2015

Anton Wagner beim Interview mit dem regionalen türkischen Fernsehen

Als Höhepunkt für die österreichischen Vertreter der RINDERZUCHT AUSTRIA folgte im türkischen Landwirtschaftsministerium ein intensiver und konstruktiver Gesprächstermin mit dem Vorsitzenden der Generaldirektion Landwirtschaft, Herrn Mustafa Kayhan, betreffend Samen- und Tierlieferungen von Österreich in die Türkei. Als positives Ergebnis konnte verzeichnet werden, dass es ab Jänner 2015 ein neues Veterinärzeugnis geben wird, das Erleichterungen im Zuchtviehexport erhoffen lässt.

Steigerung der Milchproduktion

Das kulturelle Highlight war der Besuch der berühmten Ausgrabungsstätte in Ephesos.

Die Türkei, ein Land vieler Gegensätze, erlebte im vergangenen Jahrzehnt einen stetigen Wirtschaftsaufschwung. Einerseits finden sich modernste Zuchtbetriebe auf höchstem Niveau, andererseits gibt es zahlreiche Kleinstbetriebe, bei denen es noch sehr viel Aufholbedarf gibt und die großteils zukünftigen Strukturwandel nicht mitgehen werden können. Der Versuch, sich verstärkt an die Europäische Union auszurichten, führte auch zum Bestreben, die Produkte Milch und Fleisch bis hin zum Produzenten zurückzuverfolgen und deren Menge und Qualität zu steigern. Mittlerweile findet sich die Türkei schon auf Rang 16 der Weltmilchproduktion mit einer jährlichen Steigerung von rund zehn Prozent.

Weiterhin großer Bedarf an Zuchtvieh

Die Türkei hat starkes Interesse an österreichischem Zuchtvieh.

Um die stark steigende Nahrungsmittelnachfrage zu bedienen, ist die Türkei bestrebt, westliches Know-how zu importieren sowie den Einsatz von Zuchtmaterial, unter anderem aus Österreich, zu forcieren. Da die Bevölkerung der Türkei zu 99 Prozent aus Muslimen besteht, ist das Land für Rinderwirtschaft prädestiniert, was auch den erhöhten Bedarf an Zweinutzungsrassen erklärt. Insgesamt gibt es 14 Mio. Rinder (Österreich: 2 Mio.), 4 Mio. davon sind in einem Herdebuch eingetragen (Österreich: 420.000). Die Rasse Holstein ist mit einem Anteil von 70 Prozent die mit Abstand stärkste Zuchtpopulation in der Türkei, gefolgt von Fleckvieh mit einem Anteil von 15 Prozent und Braunvieh mit 14 Prozent.

Lokalaugenschein in den Zuchtgebieten Izmir und Balikesir

Die beiden besuchten Zuchtregionen befinden sich in den Hauptproduktionsgebieten der Türkei, ganz im Westen in der Ägäis- bzw. im Nordwesten in der Marmararegion. Alleine das Zuchtgebiet in Izmir mit 3,6 Mio. Einwohnern und 12.000 km² umfasst 11.113 Betriebe mit 190.000 Kühen und ist gemessen an den Betrieben und Kühen fast halb so groß wie das gesamte österreichische Bundesgebiet. Insgesamt wurden der österreichischen Delegation drei Zuchtbetriebe vorgestellt. Die Doruk Dairy Farm von Züchter Kasim Dinç aus Kesikkoy produziert mit seinen 120 Fleckviehkühen und einer Flächenausstattung von 80 ha im Schnitt 2.300 kg Milch täglich. Dies entspricht einer jährlichen Durchschnittsleistung von 8.037 kg Milch (Standardlaktation, 305 Tage) je Kuh und Jahr. Weiters gewährte der Präsident von CBAT, Herr Cemalettin Özden, einen Blick in seinen Holsteinzuchtbetrieb.

Frauenpower am Produktions- und Veredelungsbetrieb Günaydin

Gruppenfoto auf der Günaydin-Farm

Wie eine perfekte Produktion von Milch und Rindfleisch und dessen Veredelung in der betriebseigenen Fleischhauerei bis hin zur Vermarktung in den eigenen Gastronomiebetrieben funktionieren können, zeigte der Fleckviehzuchtbetrieb Günaydin eindrucksvoll auf. Die Betriebsinhaberin Sevim Arslan stellte in perfektem Deutsch und voller Stolz ihr Betriebskonzept und ihre Zuchtherde vor. Von den 420 Kühen stammen 328 Tiere aus Österreich. Die Rinderherde umfasst insgesamt 1.200 Tiere, davon rund 60% Fleckvieh und 40% Braunvieh. Die Durchschnittsleistung aller Kühe liegt bei 8.100 kg Milch je Kuh und Jahr. Die geringe Eigenfläche von nur 30 Hektar stellt sowohl für die Futterproduktion als auch für die Ausbringung der angefallenen Gülle, deren Entsorgung wöchentlichen strengen Kontrollen unterliegt, einen erheblichen Kostenfaktor dar.  Die Milch wird im Gegensatz zum Fleisch direkt an die Molkerei geliefert. Die Vermarktung des Fleisches liegt entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der Hand der Betriebsführer selbst. Im Jahre 2007 wurde das erste Restaurant der Günaydin Steak House Gruppe eröffnet. Mittlerweile werden 40 Restaurants, die sich im Besitz der Familie befinden, mit Fleisch, vorwiegend aus ihrem Betrieb, beliefert. Die Nachfrage übersteigt jedoch bei weitem das Angebot. Umfangreiche Pläne für einen weiteren Ausbau der Rinderfarm stehen unmittelbar vor der Umsetzung.

Betrieb Günaydin: http://www.gunaydinet.com/

Türkischer Rinderzuchtverband CBAT: http://www.dsymb.org.tr/


Downloads

zurück