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Zuchtrinderexporte - Es wird eng auf den Absatzmärkten

Exporte im 1. Halbjahr 2014 noch zufriedenstellend - aktuelle Situation auf den Exportmärkten jedoch zunehmend angespannt

Algerien ist, wie schon im 1. Halbjahr des Vorjahres, der stärkste Abnehmer österreichischer Zuchttiere, vor Italien und der Türkei

Der Zuchtrinderexport hat sich für die österreichischen Rinderhalter einerseits zu einer unverzichtbaren Einnahmenquelle entwickelt und ist andererseits eine wichtige marktentlastende Maßnahme. Um das Marktgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einigermaßen zu erreichen, ist ein jährliches Exportvolumen von 20 - 25.000 Zuchtrindern erforderlich. Aufgrund des zwar leichten aber stetigen Rückgangs des Rinderbestands in Österreich – auch bedingt durch die steigende Lebensleistung – hat Österreich einen strukturellen Überhang an wertvollen Zuchtrindern aufzuweisen.

Mit 14.272 exportierten Tieren im ersten Halbjahr 2014 konnte der Wert im Vergleichszeitraum 2013 zwar um rund 5% überboten werden, von Spitzenjahren wie 2011 oder 2012 ist man jedoch weit entfernt. Die kommenden Monate sehen nur bedingt vielversprechend aus.

Einige der Hauptmärkte und Mengenabnehmer sind in den letzten Wochen und Monaten ins Wanken gekommen oder gar völlig eingebrochen:

Russland schmerzt

Obwohl Zuchtrinder offiziell nicht auf der russischen Sanktionsliste zu finden sind, ist der Export nur unter großen finanziellen Aufwendungen und Übernahme hoher Risiken möglich. Die Schmallenberg-Infektionswelle in West- und Mitteleuropa hat Russland bereits vor Monaten zum Anlass genommen, Druck auf die EU auszuüben und die Importbestimmungen deutlich nach oben zu schrauben. Bestehende Verträge konnten nicht mehr bedient werden. Da es nun zunehmend Schmallenberg Antikörper-freie Tiere gibt, wäre der Export theoretisch wieder möglich. Die Sanktionen gegen Russland haben aber die Investitionsfreude deutlich gedämpft und schrecken Käufer ab. Kasachstan ist für Importe von Zuchtrindern aus der EU weiterhin geschlossen.

Türkei zunehmend schwieriger

Auf türkischer Seite werden die Zollerleichterungen für den Zuchtrinderimport sukzessive wieder zurückgenommen und die Importpreise für die türkischen Investoren steigen entsprechend. Angesichts der durchaus professionellen und leistungsbetonten Milchviehhaltung in der Türkei sind die hohen qualitativen und veterinären Anforderungen seitens der Türkei zwar nachvollziehbar, bedeuten aber auf österreichischer Seite eine starke Auslese. Da die Monopolstellung Österreichs am türkischen Markt inzwischen aufgehoben ist und die Türkei auch von anderen EU-Ländern beliefert werden kann, sind die Preise mit den gestiegenen Anforderungen nicht mitgegangen.

Algerien gesperrt

Algerien war in den letzten Jahren bis in die Jahresmitte 2014 mengenmäßig der wichtigste Abnehmer für österreichische Zuchtrinder. Aufgrund des Auftretens der Maul- und Klauenseuche wurde der inneralgerische Tierverkehr weitgehend eingeschränkt. Betroffen davon sind auch die Importe aus Europa.

Italien als wichtiger Rückhalt

Angesichts dieser schwierigen Absatzsituation ist Italien als Binnenmarkt wieder unverzichtbar geworden. Dies rechtfertigt wohl das Engagement der RINDERZUCHT AUSTRIA in Italien in den letzten Jahrzehnten. Es ist jedoch auch Realität, dass Italien ein Markt ist, auf dem sich alle wichtigen Exportländer präsent sind und der Preis dementsprechend unter Druck geraten ist.

Alternativmärkte springen (noch) nicht an

Die Suche nach Ausweichmärkten gestaltet sich nicht einfach. Das Engagement der RINDERZUCHT AUSTRIA auf dem Balkan und in der Region Südkaukasus trägt in Form von ministeriellen Besuchen und Expertendelegationen zwar erste Früchte, zu namhaften Exporten ist es allerdings noch nicht gekommen. Weitere „stan“-Länder wie Usbekistan und Tadschikistan sind entweder auf reine Milchrassen spezialisiert oder können die Finanzierung nicht sicherstellen. Kontakte mit dem Iran gibt es, ersten Lieferungen steht aber das offene Atom-Abrüstungsprogramm noch entgegen. China als möglicher Absatzmarkt und vermeintliche Lösung aller Probleme wird jedenfalls nicht kurzfristig Abhilfe schaffen können. Seit der Russlandkrise drängen viele Exportnationen auf den chinesischen Markt. Waren bisher bereits Verhandlungen zur Marktöffnung mit den chinesischen Behörden langwierig – 10 Jahre und mehr – werden die neuen Marktentwicklungen diese wohl nicht beschleunigen.

Wir sind trotz der schwierigen Situation zuversichtlich, dass sich in den kommenden Wochen einige der angesprochenen Märkte wieder positiv entwickeln werden und der drohende Rückstau am Zuchtrindermarkt ausbleibt.

 

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