Sprachauswahl


20. ZAR-Seminar zum Thema Klauengesundheit

Klauen- und Gliedmaßenprobleme gehören nach den Fruchtbarkeits- und Reproduktionsstörungen und Eutererkrankungen zu den häufigsten Abgangsursachen von Milchkühen. Im Kontrolljahr 2014 waren in Österreich 7,6% der Kühe davon betroffen.

 

Gesunde Klauen: Das Fundament für eine leistungsbereite Kuh

Univ.-Prof. Dr. Johann Kofler (VetMedUni Wien, Klinik für Wiederkäuer) berichtete über die häufigsten Klauenerkrankungen und deren Ursachen in Österreich. Der wirtschaftliche Schaden von Lahmheiten wird häufig unterschätzt. Durch verminderte Futteraufnahme erfolgt ein Rückgang der Milch und des Gewichts, es kommen Probleme mit der Fruchtbarkeit und es entstehen Kosten für Klauenpfleger und Tierarzt sowie ein generell höherer Aufwand beim Management mit lahmen Kühen. So errechnet sich ein Betrag von rund 450,-- pro Kuh und Jahr.

 

Dr. Andrea Fiedler, praktische Tierärztin aus München

Kuhkomfort spielt entscheidende Rolle

„Kühe sind für mich Spitzensportler, die hohe Leistungen erbringen und dadurch entsprechend betreut werden müssten“, betonte Dr. Andrea Fiedler (Praktische Tierärztin in München) in ihrem Vortrag. Das umfasst vorwiegend die Ernährung, eine stressfreie Umgebung sowie den entsprechenden Komfort für Kühe. So können Hitzestress ab rund 30 °C oder ein glatter Boden, der die Kühe zu kurzen Schritten zwingt und so die Laufbelastung erhöht, zur Belastungsrehe führen. Saubere Klauen, entweder durch Reinigung der Laufflächen oder der Klauen selbst, spielen dabei eine wichtige Rolle. Eine ideale Unterlage wären Gummimatten, welche sowohl die Belastung minimieren als auch die Rutschfestigkeit erhöhen. Die Kuh kann hier ihrem natürlichen Verhalten bestmöglich nachkommen.

Aktueller Stand der Forschung

In Österreich gibt es außer den tierärztlichen Diagnosen und Hilfsmerkmalen aus der linearen Beschreibung keine österreichweite systematische Erfassung von Klauenpflegedaten, zeigte Dr. Christa Egger-Danner (ZuchtData EDV-Dienstleistungen GmbH) auf. Im aktuellen Projekt Efficient Cow wurden für über 5000 Kühe bei jeder Milchleistungskontrolle Lahmheitsnoten bestimmt und insgesamt 50.000 solcher Daten ausgewertet. Wissenschaftliche Analysen dazu sind in Vorbereitung. Aktuell wurde mit Daten aus dem Gesundheitsmonitoring Rind aus Österreich ein Testlauf zur Zuchtwertschätzung Klauengesundheit durchgeführt. Diese zeigen, dass die Schätzung von Klauengesundheits-Zuchtwerten aus den tierärztlichen Diagnosen ein erster Schritt wäre, um Stiere, die Klauenprobleme vererben, zu erkennen.

 

Der Klauenpflegestand der Fa. Pesenhofer

Internationale Entwicklungen

In einer Umfrage der ICAR-Arbeits-
gruppe für funktionale Merkmale im Jahr 2012 zeigte sich, dass der Themenbereich Klauengesundheit von großem internationalem Interesse ist. Routine-Zuchtwertschätzungen für Klauengesundheit gibt es in Dänemark, Schweden, Finnland und den Niederlanden seit 2010. Spanien und Frankreich hatten ebenfalls erfolgreiche Projekte, wo es gelungen ist, in breitem Umfang Klauenpflegedaten zu erfassen. In Kanada und Deutschland wurden im Rahmen von Projekten Klauenpflegedaten aus Praxisbetrieben für wissenschaftliche Analysen erhoben und deren Nutzen für die Zucht analysiert. In zahlreichen Ländern ist es bereits gelungen, Klauenpflegebefunde im eigenen Land zu harmonisieren, darunter Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, England, Spanien, Frankreich und Deutschland. In Österreich ist dies noch ausständig, eine Vereinheitlichung wäre für eine züchterische Nutzung dieser Daten notwendig.

 

Praktische Vorführungen gab es auch von der Fa. Rosensteiner

Was sagt die lineare Nachzuchtbeschreibung

Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen werden nicht nur durch die Umwelt, sondern auch durch die Genetik bestimmt. Zwischen der Klauengesundheit und anderen Merkmalen konnten deutliche Zusammenhänge festgestellt werden“, berichtete Priv.-Doz. Dr. Birgit Fürst-Waltl (BOKU). Tiere mit höherer Fundamentnote haben im Schnitt weniger Probleme mit Klauenerkrankungen und Lahmheiten. Die Beziehung zu den Einzelmerkmalen ist großteils nicht linear, was in Kombination mit niedrigen Heritabilitäten zu unsicher geschätzten genetischen Korrelationen führt. Die Zucht auf Exterieur alleine bewirkt somit keine nachhaltige Verbesserung der Klauengesundheit.

 

Einen Höhepunkt stellte auch die Diskussionsrunde dar.

Praxisbeispiel Niederlande

Die systematische Sammlung von Klauengesundheitsdaten wird seit 2006 in den Niederlanden mit dem Programm Digiklauw aufgezeichnet. Dieses dient zur Erfassung und Analyse von Klauengesundheitsdaten. So werden von ca. 1500 Herden und 80.000 Kühen diese Daten elektronisch erfasst, informierte Mathijs L. van Pelt (CRV). Die Auswertungen der erhobenen Daten zeigten bei der Klauengesundheit Heritabilitäten von 0,03 bis 0,14. Index-Berechnungen und genetische Korrelationen dokumentierten, dass Exterieurmerkmale als Hilfsmerkmale für die Klauengesundheit verwendet werden können, aber direkte Klauengesundheits-Beobachtungen zu bevorzugen sind.

Praxis trifft Wissenschaft

Zum Abschluss des Seminars diskutierten Züchter, Klauenpfleger und Wissenschafter aus der Praxis. Demnach führt an einer regelmäßigen Klauenpflege sowie einem intensiven Monitoring kein Weg vorbei. Die elektronische Dokumentation ist sowohl für den Züchter als auch für den Klauenpfleger von Vorteil. Eine entsprechende Schnittstelle zur Wissenschaft muss in Österreich jedoch noch gefunden werden, um diese wertvollen Daten auch für die Weiterentwicklung der Rinderzucht in Bezug auf Klauengesundheit verwenden zu können. Des weiteren gilt, je größer die Betriebe, umso weniger Zeit ist für das einzelne Tier vorhanden.

 

zurück