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2015 - ein herausforderndes Jahr für die heimische Rinderwirtschaft

Das Jahresende war für die RINDERZUCHT AUSTRIA ein willkommener Anlass, um Bilanz zu ziehen und das Jahr 2015 nochmals Revue passieren zu lassen.

 

 

Seit 2009 gab es wohl kein Jahr, welches für die heimischen Milch- und Rinderbauern eine derartige Herausforderung darstellte. Trotz global schwächelndem Milchpreis und schmerzenden Seucheneinbrüchen gibt es aber durchaus auch Erfolge zu melden, die für die kommenden Jahre Hoffnung geben.

Quotenende und schwächelnder Milchpreis

Die Kritiker offener Handelsgrenzen sehen das Ende der Milchquote als kausale Ursache für das Milchpreisdilemma. Dieser Zusammenhang hält jedoch einer näheren Betrachtung nicht stand. Aufgrund offener Marktwirtschaften und globaler Handelsströme, welche gerade auch Österreich als Export-orientierte Agrarwirtschaft zu Gute kommen, hat der „Markt Österreich“ mit dem „Produktionsstandort Österreich“ nur mehr wenig gemeinsam. Der Rückgang des chinesischen Wirtschaftswachstums, die Niederschlagssituation in Neuseeland und das anhaltende Exportembargo Russlands prägen die globale Preissituation der Lebensmittelmärkte deutlich mehr als ein Produktionsanstieg oder -rückgang in Österreich. Nachdem die Milchquote ohnehin in den letzten Jahren EU-weit unterliefert wurde und somit keinen geeigneten Preisstabilisierungsmechanismus mehr darstellte, hat wohl auch das Quotenende selbst keine erkennbaren Auswirkungen mit sich gebracht. Der wohl entscheidendste Effekt für die heimischen Milchbauern ist jener, dass seit April 2015 keine Superabgabe mehr anfällt und sich somit die heimische Milchwirtschaft bis zu € 44,6 Mio. jährlich erspart.

Export als Chance die nun aktiv verfolgt wird

Nicht zuletzt durch Engagement von Bundesminister Andrä Rupprechter wandert der Fokus noch deutlich stärker in Richtung Exportoffensive. Erste Erfolge zeichnen sich dabei ab, die geplante Exportservicestelle in der AGES ist ein weiteres sichtbares Signal der Exportorientierung des heimischen Agrarsektors. Aus marktwirtschaftlicher Sicht ist hier auch jener Bereich, wo die Politik aktiv unterstützend in das Marktgeschehen eingreifen kann. Die Preisbildung selbst entzieht sich außerhalb von Planwirtschaften inzwischen völlig dem politischen Einfluss.

Seuchensituation stellt die Rinderwirtschaft vor Herausforderungen

Während sich für die Rinderwirtschaft der Zuchtviehexport als wichtiges Einkommensstandbein etabliert hat, wirken aktuelle Seuchenaufkommen hier leider massiv bremsend. War es zu Jahresbeginn das IBR/IPV-Geschehen im Westen, welches die Schwächen kleinteiliger Produktions- und Handelsströme aufzeigten, so wirkte während des gesamten Jahres die Schmallenberg-Situation in weiten Teilen des Bundesgebiets als exporthemmend und kostensteigernd. Der Bluetongue-Ausbruch Mitte November an der Ostgrenze wirkte wie ein Hammerschlag, der vorübergehend den Lebensnerv einer ganzen Branche lähmt. Österreich ist nun zweigeteilt und es ist den Bauern im Grenzgebiet nur schwer erklärbar, wieso er im Sperrgebiet ist und seine Tiere kaum mehr vermarkten kann, während sein Nachbar in der angrenzenden Ortschaft „noch frei“ ist. Jedenfalls wird seitens der Veterinärverwaltung und des Gesundheitsministeriums in Absprache mit der Branche versucht, den Gesamtschaden für die heimische Rinderwirtschaft angesichts der schwierigen Bedingungen so gering wie nur möglich zu halten.

Tierzuchtpakt als positives Signal in schwierigem Umfeld

Der für die kommenden 5 Jahre ausverhandelte Tierzuchtpakt ermöglicht dem heimischen Tierhaltesektor den Blick weiterhin in die Zukunft zu richten und Österreich auch künftig als Hochzuchtland in der tierischen Produktion zu etablieren. Obwohl international sehr kleinstrukturiert, konnte sich die österreichische Rinderzucht international sehr erfolgreich platzieren. Neben der engagierten Zuchtarbeit unserer 22.000 Rinderzuchtbetriebe ist dieser Erfolg den starken und professionell arbeitenden Verbands- und Organisationsstrukturen unter dem Dach der RINDERZUCHT AUSTRIA zuzuschreiben. Die Agrarpolitik, welche die Tierhaltung als Herzstück in unserer grünlandbetonten Landwirtschaft erkannt hat, schafft die erforderlichen Rahmenbedingungen. Nichts desto trotz kommen auf den Tierhaltungssektor in den kommenden Jahren Herausforderungen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Effizienz, Tierwohl und Absatzsicherung zu. Die herausragende Qualität unserer Produkte gilt es abzusichern und noch stärker beim Konsumenten zu verankern.

Forschung und Bildung als Zukunftsinvestition

Die Bildungsarbeit in der Rinderzucht, allen voran der Jungzüchterprofi, konnte erfolgreich weitergeführt werden. Engagierte Jungzüchterinnen und Jungzüchter sind wohl der größte „Schatz“ unserer heimischen Rinderwirtschaft. Die starke Forschungsorientierung wird auch in den kommenden Jahren beibehalten. Sie garantiert eine nachhaltige und zukunftsorientierte Rinderwirtschaft in bäuerlicher Hand.

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