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Grauvieh-Züchter und Wissenschaftler diskutieren über Zuchtprogramm

Im Rahmen des Projektes OptiGene lud der Tiroler Grauviehzuchtverband am 27. April 2015 zu einer Diskussionsrunde über die Weiterentwicklung ihres Zuchtprogramms. Mitarbeiter der ZuchtData und von der Universität für Bodenkultur präsentierten Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt OptiGene und erarbeiteten gemeinsam mit Funktionären des Zuchtverbandes Verbesserungsvorschläge für das Zuchtprogramm Grauvieh AUSTRIA.

OptiGene-Seminar für die Rasse Grauvieh

Im Rahmen des Forschungsprojetes OptiGene wurden 2012 die österreichischen Rinderzüchter der Rassen Fleckvieh, Braunvieh, Pinzgauer und Grauvieh über deren persönliches Zuchtziel befragt. An dieser Befragung nahmen auch etwa 100 Grauviehzüchter teil und gaben an, dass für sie die Verbesserung des Euters, der Fruchtbarkeit und der Nutzungsdauer an oberster Stelle im persönlichen Zuchtziel steht (siehe Abbildung). Ausgehend von den Ergebnissen dieser Befragung wurde das Zuchtprogramm Grauvieh AUSTRIA im weiteren Projektverlauf analysiert und auf möglichen Optimierungsbedarf untersucht. 

Das persönliche Zuchtziel der Grauviehzüchter. - Fragestellung: Welche Merkmale wollen Sie in den nächsten 10 Jahren in Ihrer Herde züchterisch verbessern?

ZuchtData / Steininger, 2012

Zuchtprogramm wurde sehr erfolgreich umgesetzt

Die Modellrechnungen von DI Franz Steininger zeigen, dass das Zuchtprogramm bereits in den letzten Jahren sehr effizient und konsequent in die Praxis umgesetzt wurde und somit hinsichtlich Steigerung des Zuchtfortschritts kaum Verbesserungspotential besteht. Lediglich eine Verkürzung des durchschnittlichen Generationsintervalls zeigte eine stark positive Wirkung. Dies könnte am besten durch einen kürzeren Einsatz von Stieren als Stierväter erreicht werden. Durch eine Reduktion der Nutzungsdauer der Stierväter von 10 auf 6 Jahre könnte der Zuchtfortschritt um ca. 6 Prozent gesteigert werden. Diese Maßnahme zeigt in etwa denselben Effekt, wie die Steigerung des Testanteils von aktuell 40% auf 80%. Die Steigerung des Testanteils führte allerdings zu einem Anstieg des Risikos von züchterischen Fehlentscheidungen, da Jungstiere mit relativ unsicher geschätzten Zuchtwerten breit eingesetzt werden müssten.

Dementsprechend zeigten auch Modellrechnungen zur Einführung einer genomischen Zuchtwertschätzung bei Grauvieh kaum Vorteile gegenüber dem aktuellen Zuchtprogramm. Derzeit ist kaum abschätzbar, wie viel Sicherheitszuwachs in der Zuchtwertschätzung durch eine Genotypisierung erreicht werden könnte. Es ist aber davon auszugehen, dass dieser im Vergleich zu Rassen mit einer größeren Population wie Fleckvieh, Braunvieh oder Holstein eher gering ausfallen würde. Dadurch käme der Zuchtfortschritts-Gewinn einer genomischen Zuchtwertschätzung beinahe ausschließlich vom sehr breiten Einsatz von Jungstieren, deren Zuchtwerte allerdings nicht wesentlich sicherer geschätzt werden könnten als aktuell die Zuchtwerte der Teststiere. Die Kosten für ein genomisches Zuchtprogramm wären außerdem speziell in der Startphase enorm, da bei einer derart kleinen Population die Genotypisierung beinahe aller weiblichen Tiere notwendig wäre, um eine ausreichend große Referenzgruppe zu erreichen. Aus fachlicher Sicht kann deshalb für die Rasse Grauvieh die Einführung einer genomischen Zuchtwertschätzung derzeit nicht empfohlen werden.

Neue Hilfsmittel für das Inzuchtmanagement

Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld des Projektes OptiGene stellt das Inzucht-Management dar. Dr. Hermann Schwarzenbacher erklärte das Konzept der optimierten Genbeiträge in einer Zuchtpopulation. Das Ziel dieses Ansatzes liegt in einem möglichst ausgewogenen Verhältnis aus Zuchtfortschritt und Inzuchtsteigerung, welche in einem Zuchtprogramm nie vollständig vermieden werden kann. Auf Basis eines möglichst vollständigen Stammbaums wird für jedes Tier die durchschnittliche Verwandtschaft zum Rest der Population berechnet und anschließend mit dem Zuchtwert des Tieres kombiniert. Diese Methode ermöglicht es, genetisch interessante Tiere nicht nur aufgrund des Zuchtwertes, sondern auch im Blick auf Inzuchtminimierung zu finden und so gezielt als Eltern von Stieren zu selektieren und anzupaaren.

Gute Basis für Gesundheits-Zuchtwertschätzung

Dr. Christa Egger-Danner wies auf die Vorreiterrolle der Rasse Grauvieh bezüglich verpflichtender Erfassung von Gesundheitsdaten hin. Der Tiroler Grauviehzuchtverband traf diese Entscheidung bereits 2007, weitere Zuchtverbände folgten 2010/2011. Derzeit liegen von etwa 80% der Milchbetriebe mit Grauviehkühen Gesundheitsdaten vor. Auf Basis dieser Daten wurde ein Testlauf für eine Gesundheits-Zuchtwertschätzung durchgeführt. Die Erblichkeiten für Mastitis, frühe Fruchtbarkeitsstörungen, Zysten und Milchfieber liegen zwar etwas niedriger als bei anderen Rassen, der Vergleich zwischen den besten und schlechtesten Vererbern im Gesundheitsbereich zeigt aber deutlich das Potential einer Schätzung von Gesundheitszuchtwerten auf. Während zum Beispiel die zehn schlechtesten Stiere etwa 15% Töchter mit Mastitis-Diagnosen aufweisen sind es bei den 10 Top-Vererbern nur 2,4% (siehe Abbildung). 

Vergleich des Anteils Töchter mit Diagnosen der 10 besten (Top) und 10 schlechtesten (Flop) Stieren der Rasse Grauvieh.

ZuchtData / Egger-Danner, 2015

Die Basis einer jeden Zuchtwertschätzung stellen immer die Beobachtungen am Tier, sprich: die Leistungsprüfung der verschiedenen Merkmale im Zuchtziel, dar. Dementsprechend gilt es das gute Niveau der Gesundheitsbeobachtungen bei Grauvieh zu halten und weiterhin zu verbessern. Vor allem die vollständige Erfassung aller Diagnosen bzw. Beobachtungen auf teilnehmenden Betrieben muss im Zentrum der Bemühungen stehen. Die Einführung einer Gesundheits-Zuchtwertschätzung ist auf alle Fälle zu empfehlen, sollte aber unter Berücksichtigung der derzeit anlaufenden geburtsnahen Gesundheitsbeobachtungen stattfinden und die in Planung befindlichen Systemumstellungen bei den Rassen Fleckvieh und Braunvieh bereits miteinbeziehen, um die Züchter nicht mit zu häufig stattfindenden Umstellungen zu verunsichern. Aus diesem Grund ist wird empfohlen noch bis 2016 mit einer Einführung zu warten. 

Mit klarem Profil in die Zukunft

Zahlreiche Vertreter des Tiroler Grauviehzuchtverbands diskutierten mit Wissenschaftlern über die Weiterentwicklung des Zuchtprogramms Grauvieh AUSTRIA.

Das Zuchtprogramm Grauvieh AUSTRIA konnte in den letzten Jahren die gesamte Population gut stabilisieren und ein klar definiertes Rassenprofil etablieren. Speziell das ausgewogenen Zuchtziel und die konsequent scharfe Selektion der besten Tiere als Eltern der nächsten Generation ermöglichten einen für eine derart kleine Population hervorragenden Zuchtfortschritt. Für die Zukunft gilt es, moderne Methoden des Inzucht-Managements in die Tierselektion einzubinden und durch anhaltende flächendeckende Gesundheitsdatenerfassung eine gute Basis für eine möglichst bald einzuführende Gesundheits-Zuchtwertschätzung zu schaffen.


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