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Zuchtrinderexporte - Rückblick erwartungsgemäß einfacher als Ausblick

26.328 heimische Zuchtrinder wurden im Jahr 2015 in über 30 Zielländer exportiert.

Situation vielschichtig und regional unterschiedlich

Die Anzahl der exportierten Zuchtrinder hat 2015 mit einem Zuwachs von 5,6 % zu 2014 eine grundsätzlich positive Entwicklung genommen. Trotzdem herrscht kein Grund zu überzogenem Optimismus. Der leichte Aufwärtstrend, die sich bereits gegen Ende 2014 angekündigt hat, konnte 2015 zwar bestätigt werden, aktuell ist die Exportsituation allerdings als schwierig einzustufen.

Bei genauerer Betrachtung sind mehrere übereinanderliegende Tendenzen zu erkennen.  Grundsätzlich herrscht auf den europäischen und den meisten internationalen Exportkanälen ein rückläufiges Preisniveau für Zuchtrinder. Die Gründe dafür liegen einerseits im globalen Druck auf den Milchpreis, der die Rinderwirtschaft im Würgegriff hat. Die Milchpreissituation in zahlreichen Zielmärkten für heimisches Zuchtvieh ist dabei meist noch deutlich prekärer als in Österreich selbst. Investitionen in die Rinderhaltung, im Speziellen in die Milchwirtschaft, sind dort wenig attraktiv und die Nachfrage nach Zuchtvieh gedämpft. Andererseits gab es in wichtigen Zuchtvieh-Importländern eine deutliche Währungsabwertung zum Euro. So ist in den vergangenen Monaten das Zuchtrind aus dem Euro-Raum, unter anderen für Abnehmer aus Russland, Aserbaidschan und Algerien, dadurch deutlich geworden.

Neben diesen grundsätzlichen Entwicklungen gibt es aber auch eine erfreuliche Ausnahme. Der Absatzmarkt Türkei zeichnet sich nach wie vor durch eine sehr gute Preisgestaltung aus. Somit konnten etwa 36 % der exportierten Zuchtrinder zu einem Preisniveau vermarktet werden, welches sowohl für den heimischen Rinderzüchter als auch für den exportierenden Zuchtverband zufriedenstellend und kostendeckend war.

Entwicklung Zuchtrinderexporte 2006 - 2015

Spezialfall Türkei

Was aber gibt den Ausschlag, ob eine Zuchtkalbin für den Export in die Türkei geeignet ist oder nicht? Hier gibt es drei Hauptkriterien zu nennen welche innerhalb von Österreich regional sehr unterschiedlich erfüllt werden können. Seitens der Türkei gibt es hohe Anforderungen an das genetische Leistungspotential der Tiere. Dies führt bei den zur Vermarktung anstehenden Kalbinnen zu einer starken Auslese. Hier spielt die Zuchtarbeit des Bauern eine entsprechende Rolle. Eine große Hürde, vor allem für gealpte Tiere, stellt das vorgegebene Belegzeitalter dar. Die knappe Vorgabe mag zwar für frühreife Tiere und reine Milchviehrassen passend sein, für die in Österreich überwiegend gehaltenen Zweinutzungsrassen ist das jedenfalls eine massive Hürde. Trotz zahlreicher Versuche und persönlichen Vorsprachen im türkischen Landwirtschaftsministerium in Ankara konnten hier noch keine Fortschritte erzielt werden. Letztendlich entscheidend für den Türkei-Export ist der Schmallenberg-Antikörperstatus des betreffenden Rindes. Dieser muss entweder nachweislich negativ oder positiv bereits vor der Belegung sein. Je nach Bundesland und Region ist das Schmallenberg-Virusaufkommen unterschiedlich und die Erfüllung dieser Vorgabe ein Problem.

Zuchtrinderexporte 2015 - Länder

Abhängig davon, wie groß der Anteil an „Türkei-fähigen“ Tieren in einem Verbandsgebiet ist, gibt es somit Marktspannungen und auch Preisverwerfungen bei der Zuchtviehvermarktung.

Bluetongue überlagert Alles

Am 17. November 2015 wurden bekannter Weise drei Blauzungenfälle (Serotyp 4) im Südosten Österreichs von der AGES bestätigt. Die Tierseuche erfordert die Errichtung einer Schutzzone, die Österreich in zwei, in Bezug auf den Tierverkehr unterschiedlich zu behandelnde Gebiete teilt. Aufgrund der bestehenden bilateralen und multilateralen Exportzertifikate mit den Zielländern führt dies zu unterschiedlichen Auswirkungen auf den Zuchtviehexport. Ausschlaggebend dabei ist, ob sich die Bluetongue-Freiheit in der bestehenden Formulierung auf Österreich als Ganzes, die Region, den Herkunftsbetrieb oder das betreffende Einzeltier bezieht. Damit ist für manche Zielländer Österreich als Lieferant von Zuchtvieh gesperrt. Wann und ob diese Sperre wieder aufgehoben werden kann, ist nicht absehbar. Jedenfalls klar ist, dass derzeit aus der Schutzzone heraus kein Export in die Türkei möglich ist.

Ausblick nicht sehr rosig

Aufgrund der dargestellten Faktoren und der sich überlappenden komplexen Rahmenbedingungen ist eine Voraussage zum Zuchtviehexport schwierig. Möglicherweise wird es in den Sommermonaten 2016 zu einer Ausdehnung der Blauzungenkrankheit auf das gesamte Bundesgebiet kommen. Damit wäre auch der Export von Zuchttieren außerhalb der derzeitigen Schutzzone eingeschränkt. Eine Trendumkehr in der Milchpreisgestaltung ist ebenso wenig absehbar wie eine Entspannung der globalen Wirtschaftssituation und eine Intensivierung des Agrarhandels mit Russland. Fest steht jedenfalls, dass unabhängig der Rahmenbedingungen, auf die Exporttätigkeit der heimischen Rinderwirtschaft auch künftig nicht verzichtet werden kann. Gemeinsame Anstrengungen sind gefordert, letztendlich auch um neue Absatzmärkte zu erschließen. Die Bemühungen dazu laufen in der RINDERZUCHT AUSTRIA bereits auf Hochtouren.

 


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