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Zuchtrinderexporte 1. Halbjahr 2016

Unterschiedliche Entwicklungen auf den Exportmärkten

 

Die Türkei ist wieder der stärkste Abnehmer österreichischer Zuchtrinder.

Anfang des Jahres war die Prognose zum Thema Zuchtviehexport auf „nicht sehr optimistisch“ eingestuft.  Die Sperrzone bezüglich der Blauzungenkrankheit beschränkt sich – womit niemand rechnete – seit fast einem Jahr noch immer auf Ostösterreich, der Westen blieb bisher verschont. Die schwierige Lage auf den Milchmärkten hat sich auch bis heute noch nicht entspannt. Eine Trendumkehr ist kurzfristig noch nicht absehbar, langfristig könnte die Talfahrt beendet werden, die es aber laut Experten noch abzuwarten gilt.

In der 1. Jahreshälfte 2016 wurden um 23% mehr Tiere exportiert als im Vorjahresvergleich.

Immerhin stieg der Kieler Rohstoffwert als ein wichtiger Indikator für den Milchmarkt für Milch im Juli 2016 um 3 Cent auf 25,1 Cent/kg, das entspricht einem Plus von 13,6%. Die große Unbekannte im Veterinärbereich sowie die aktuelle Marktlage erschweren die Zuchtviehexporte zusehends.

Die Statistik macht Mut

16.603 exportierte Zuchtrinder in der ersten Jahreshälfte 2016. Das entspricht einem Plus von 23%. Der österreichische Zuchtrindermarkt ist seit Jahren sehr stark in Drittländern orientiert. So wurden etwas mehr als 70% in Nicht-EU-Staaten exportiert. Mehr als die Hälfte der Tiere wurden direkt ab Hof verkauft. Den größten Beitrag zu diesem erfolgreichen Absatz lieferten auch heuer wieder türkische Einkäufer mit knapp 7.000 Tieren (42%). An 2. Stelle folgt Italien mit 3.400 (21%) exportierten Tieren, an dritter Stelle bereits Aserbaidschan mit 2.300 (14%) Tieren. Damit liegen die diesjährigen Exporte 21% über dem zehnjährigen Schnitt. Auch das ist ein positives Signal. Bemerkenswert sind die Exporte in den Iran. 6% aller Tiere bzw. knapp 1.000 Stück wurden nach Vorderasien verschifft. Mit der Lockerung der nuklearbezogenen Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen den Iran Mitte Jänner 2016 –Bundesminister Andrä Rupprechter befand sich im Februar mit einer Wirtschaftsdelegation im Iran zur Anbahnung neuer Geschäfte im Agrar- und Umweltbereich - wurde es auch für die österreichische Agrarwirtschaft, insbesondere des Zuchtrindermarktes möglich, Tiere in eines der bevölkerungsreichsten Staaten der Welt zu exportieren.

 

56% der Exporte werden direkt über den Ab-Hof-Verkauf abgewickelt.

Die Realität sieht etwas anders aus

Die Zahlen stimmen positiv, die Realität sieht jedoch etwas anders aus. Täglich ist die österreichische Rinderzucht mit neuen veterinären Herausforderungen konfrontiert. In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und intensiven Gesprächen vor Ort gilt es, diese zu lösen. Fest steht, dass sich die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Zuchtrinderexport sehr rasch in Luft auflösen können. „Daher gilt die Strategie, auf möglichst viele Länder zu setzen, um im Krisenfall breit aufgestellt zu sein“, so ZAR-Obmann Stefan Lindner. Wie schnell Märkte wegbrechen können zeigt das Beispiel Algerien. Algerien liegt im zehnjährigen Schnitt mit 40.000 exportierten Tieren nach Italien (70.000 Stk.) und der Türkei (55.000 Stk.) an der dritten Stelle, das heißt für Österreich ein enorm wichtiger Markt. Im ersten Halbjahr konnten jedoch nur 130 Tiere exportiert werden.

 

Die ZAR-Führung Anfang August bei ihren türkischen Partnern in der Türkei.

Bemühungen in zahlreichen Ländern

Die Bemühungen der RINDERZUCHT AUSTRIA laufen bereits auf Hochtouren. So war die neue ZAR-Spitze bereits in zahlreichen Exportländern unterwegs, um die Türe für österreichische Zuchtrinder zu öffnen. Auch sämtliche internationale Delegationen werden in Österreich empfangen, um vor Ort auf den Betrieben, Vermarktungshallen und Stationen auf die hohe Qualität der österreichischen Zuchtviehproduktion und deren Vermarktung aufmerksam zu machen. Zahlreiche Gespräche wurden sowohl für den türkischen als auch für den ägyptischen Markt geführt.

Obmann Stefan Lindner in Serbien betreffend Kooperationsmöglichkeiten

Durch das enorme Wachstum von jährlich rund 2,8 Mio. Menschen hat in Ägypten die Ernährungssicherheit eine hohe Priorität. Ein großer Bedarf an Zuchttieren wird hier gegeben sein, sagen Experten. So konnte unter der Federführung von Bundesminister Andrä Rupprechter die ZAR neue Kontakte knüpfen und mögliche interessante Projekte ausloten. Weitere Aktivitäten fanden im ersten Halbjahr in den Märkten Iran, Serbien, Aserbaidschan und Russland statt. Letzteres Land ist geprägt durch die enorme Abwertung des Rubels, was den Ankauf von Zuchttieren zusätzlich erschwert. Allerdings steht ein staatliches Förderprogramm für die Produktion von Milch und Milchprodukten in den Startlöchern.

BM Rupprechter mt GF Martin Stegfellner bei der Wirtschaftsmission Ägypten.

Damit folgen der Ankündigung von Ministerpräsident der Russischen Föderation, Herr Dmitri A. Medwedew, beim Goldenen Herbst in Moskau im Oktober 2015 Taten. Die RINDERZUCHT AUSTRIA ist in Zusammenarbeit mit den Rinderzuchtverbänden noch in diesem Jahr an rund 15 Messen beteiligt. Darunter finden sich größere Auftritte wie in Cremona (Italien), Algier (Algerien), Hannover (Deutschland), Bjelovar (Kroatien) und beim Goldenen Herbst in Moskau (Russland).

 

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