Kroatiens Tierzucht im Vorfeld des EU-Beitrittes
7. Symposium der Beratung der Rinderzüchter in Kroatien in Vukovar vom 10. – 11. 11. 2011
Ganz im Zeichen des baldigen EU-Beitrittes stand das 7. Fachsymposium der Kroatischen
Ing. Pichler, Dr. Gasteiger, DI Janda waren Teilnehmer beim Sympopsium Foto: Georg Röhrmoser |
Mit einer dichten Vortrags- und Diskussionsagenda wurden aufbauend auf sehr interessante und richtungsweisende Statistiken des Jahresberichtes 2010 der gesamten kroatischen Tierzucht wichtige Szenarien und Ausblicke in die nächsten Jahre, die vom EU-Beitritt 2013 geprägt sind, gegeben. Das völlig neu gebaute Kongress-Center Vukovar bot alles, was ein erfolgreiches Fachsymposium benötigt, sodass sich die rund 200 Teilnehmer – vorwiegend Landwirte, Großfarmer, Direktoren, Lehrer, Berater und geladene Gäste aus den Nachbarländern – besonders viel Information mitnehmen konnten.
An der Spitze der verantwortlichen Veranstalter standen das kroatische Landwirtschaftsministerium und die HPA mit wichtigen Sponsoren wie die Gespannschaft Vukovar, der riesige Lebensmittelkonzern AGRIKOR, Futtermittel- und Prämixfirmen, Besamungsstationen, Molkereien, Fleischverarbeitungsfirmen, die bekannte Firma Kutjevo mit Rindermast und Weinkellerei und andere.
Die zahlreichen Referate beleuchteten unter anderem folgende Themen und Sachgebiete:
· Rückblick auf die Aktivitäten der ‚Abteilung Rinderzucht (DI Vesna Bulic)
· Position der Rinderzucht und Bedingungen entsprechend dem EU-Recht (Dr. Ivan Jakopović)
· Neue Trends der genetischen Verbesserung in der Rinderzucht unter EU-Voraussetzungen – Genomische Selektion (Dr. Franz Gasteiger, Miesbach, Bayern)
· Ökonomische Faktoren für eine erfolgreiche Rinderzucht als neues EU-Mitgliedsland (Prof. Zoran Grgić)
· Management in großen Milchfarmen (Dir. Krešimir Kuterovac, AgroKor)
· Wie kann man durch Zuchtarbeit zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen? (Dozentin Dr. Vesna Gantner)
· Möglichkeiten der kroatischen Rinderzucht in der Fleischproduktion (Dr. Miljenko Konjaĉić)
· Leitfaden zur Rinderfütterung (Prof. Dr. Darko Grbeša)
· Gesundheitsmanagement bei Milchkühen in der Trockenperiode (Dr. Antun Kostelić)
· Hinweise zum Tierverhalten in Milchfarmen (Prof. Dr. Pero Mijić)
· Bedeutung der Milch-Progesteron Bestimmung im Reproduktionsgeschehen (Marija Špehar)
Für die deutschsprechenden Gäste (Dr. Georg Röhrmoser, Dr. Franz Gasteiger und
Ing. Richard Pichler) leistete wiederum Dipl.-Ing. Dalibor Janda wertvollste Übersetzungs- und Betreuungsarbeit. Dalibor Janda übt in seinen Funktionen als Repräsentant seines Landes in der Zusammenarbeit mit Deutschland, Österreich, der EVF und der WSFV sowie als Geschäftsführer des neuen nationalen Fleckviehzuchtverbandes Hu.Sim. wichtige Funktionen aus. Sein Chef, Tierzuchtdirektor Zdravko Baraĉ, die Stellvertreter Franjo Poljak und
Dr. Maja Dragic sowie die Abteilungsleiterin für Rinderzucht, DI Vesna Bulic, sind in der internationalen Rinderzucht bestens bekannte Persönlichkeiten.
Aus den Diskussionsbeiträgen, vor allem der praktischen Landwirte, waren nicht nur Euphorie sondern auch manche Skepsis betreffend den EU-Beitritt zu entnehmen.
Am 4. Dezember 2011 gibt es in Kroatien Parlamentswahlen, wobei man einen Machtwechsel erwartet und im Jänner 2012 soll das Referendum zum EU-Beitritt stattfinden. Hier wird eine Mehrheit etwas über 50 % vorausgesagt. Die neue Milchquote als neues EU-Mitglied beträgt 765.000 Kuna und ist unterteilt in 675.000 t A-Quote, 77.000 t B-Quote und 15.000 t nationale Reserve (2 %).
Die züchterische Zusammenarbeit mit Mitteleuropa wird von Kroatiens Rinderzuchtverantwortlichen als unverzichtbar eingestuft, daher auch das große Interesse an der Einbeziehung ihrer Zuchtpopulationen in die Genomische Selektion, wozu am Rande des Symposiums ASR-Geschäftsführer Dr. Georg Röhrmoser konkrete Verhandlungen führte. Bekanntlich haben sich auch die großen KB-Organisationen Grub und Neustadt stark in Kroatien etabliert und unterstützen mit ihrer Genetik den Zuchtfortschritt der kroatischen Rinderzucht.
Die Fleckviehpopulation umfasst derzeit knapp 60.000 Herdebuchkühe mit einer Durchschnittsleistung von 4990-4,02-200-3,35-167; 57 Prüfstiere und 13 neue Vererber im Zweiteinsatz waren das Ergebnis des Zuchtprogrammes 2010.
Spitzenfarm mit österreichischem Fleckvieh
Die größte Fleckviehherde in Kroatien gibt es am Betrieb der Firma Vupik Foto: Georg Röhrmoser |
Ř 20,46 kg aufweisen.
Der Aufbau dieser beeindruckenden Fleckviehherde erfolgte in erster Linie mit Versteigerungskalbinnen aus Österreich, nämlich 387 Stück.
Der 24er-Melkstand hat eine Kapazität von 80 Kühen pro Stunde, das Aufstallungssystem ist überaus tierfreundlich – Liegeboxen eingestreut und Festmisterzeugung auf planbefestigter Lauffläche. Ing. Richard Pichler sprach dem Management höchste Anerkennung aus und holte sich die Zusage für eine ausführliche Betriebsreportage durch ORF und Fachpresse.
Der AGROKOR-Konzern plant eine weitere Expansion der eigenen Milchproduktion mit derzeit 5000 Kühen auf 7500 Tiere. Wichtig daher ist das von unseren Fleckviehzüchtern sehr lobenswerte Konzept der Milchproduktion mit Fleckvieh, weil die männlichen Kälber zur Gänze in die konzerneigenen Rindermastbetriebe wechseln und somit wird der Doppelnutzen des Fleckviehs zu höchster Effizienz und Wirtschaftlichkeit herangezogen.
13.12.2011


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