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Symposium Tierwohl in der Rinderhaltung

Neue Herausforderung Umwelt

Symposium Tierwohl in der Rinderhaltung

Die Weide stellt stellt einen gesamtheitlichen Lösungsansatz in den drei Bereichen Tierwohl, Klima und Marketing dar.

 

 

In Innsbruck fand das von „Netzwerk Zukunftsraum Land LE14-20“ organisierte Symposium zum Thema Tierwohl in der Rinderhaltung statt.

Tierwohl wird mittlerweile breit diskutiert und hat immer mehr Einfluss auf das Einkaufsverhalten der Konsumenten. Für die typisch geprägte österreichische Milchwirtschaft mit traditioneller Grünlandwirtschaft im alpinen Raum stellen diese neuen Anforderungen der Konsumenten eine große Herausforderung dar.

Mehr als drei Viertel der heimischen Milch werden im Berg- oder benachteiligten Gebiet von bäuerlichen Familienbetrieben gewonnen. Zur Tierwohl-Thematik gesellt sich auch immer mehr die Umwelt-Thematik mit Emissionsausstoß, Biodiversität und nachhaltiger Bewirtschaftung der Flächen. In diesem Spannungsfeld und der Erwartungshaltung der Gesellschaft sind vielseitige Betrachtungsweisen notwendig, um daraus Lösungen für die rinderhaltenden Betriebe im benachteiligten Berggebiet zu ermöglichen. Generell brachte das Symposium als Ergebnis, dass die Weidehaltung mit Almbewirtschaftung sowohl in der Tierwohl- und Umweltthematik verbunden mit den Wünschen der Konsumenten im Sinne von Marketing eine wesentliche Bedeutung zukommen wird.

Symposium Tierwohl in der Rinderhaltung

Ein wesentlicher Punkt zur Vermeidung von Ammoniak ist die Weidenutzung.

Alfred Pöllinger von Raumberg-Gumpenstein und Peter Hamedinger von der AMA-Marketing gingen in ihren Referaten kurz auf die Begriffserklärung des Wortes Tierwohl ein. Die für die Landwirtschaft übliche Definition des Tierschutzes, dass ein Tier keine Qualen erleidet und gesund ist, sind im Sinne des Tierwohles eindeutig zu wenig. Tierwohl bedeutet, ob ein Tier ein gutes Leben hat. Allein diese Aussage zeigt schon, dass es zwischen beiden Begrifflichkeiten deutliche Differenzen gibt. Es gibt mittlerweile schon Tools, welche Landwirte in der Beurteilung dieser Thematik unterstützen wie beispielsweise www.farmlife.at.

Pöllinger ging auch genauer auf die Thematik dem Spannungsfeld Tierwohl durch Laufstall versus Emissionen ein. Grundsätzlich muss man hier zwei Dinge unterscheiden. Der Anteil der Landwirtschaft an der Treibhausproblematik liegt bei 10 %. Beim Ammoniakausstoß (NH3) als Wert für die Feinstaubbelastung liegt dieser Wert allerdings bei 90 %. Die Rinderhaltung ist hier starker Verursacher. Die Vorgaben der Feinstaubrichtlinie (NEC) wurden auf EU-Ebene im Dezember 2016 beschlossen. Bis 2020 muss Österreich die NH3-Emissions-Menge um 1 % und bis 2030 um 12 % verringern. Urin ist der Ammoniaktreiber, deshalb ist ein rascher Harnabfluss zur Verringerung der NH3-Belastung förderlich. Gülle und Stallmist sollten somit so schnell wie möglich ins Lager. Weitere Optimierungsschritte sind in der Stallboden- und Laufgang- mit Standplatzgestaltung und in der Lagerung möglich. Ein wesentlicher Punkt zur Vermeidung von NH3 ist die Weidenutzung.

Peter Hamedinger ging in seinem Referat auf die Erwartungshaltung der Gesellschaft ein. In der Marktforschung ist eine Steigerung des Tierwohlaspektes bei den Konsumenten spürbar. Frauen und Jüngere reflektieren diese Botschaft stärker. Laut Befragung sind 20 – 25 % bereit, mehr auszugeben für Tierwohl. Dem gegenüber steht das wirkliche Kaufverhalten definiert in der kognitiven Dissonanz – sozial erwünschte Aussage wird an der Kassa im Supermarkt vergessen! Wichtig in der Bewerbung der Produkte ist ein transparenter und offener Zugang im Sinne von Qualitätssicherung.

Stephan Pöchtrager von der Werner Lampert BeratungsGmbH stellte die Ansprüche des Handels mit den Herausforderungen am Markt dar. Die Werner Lampert BeratungsGmbH ist Träger der Biomarke „Zurück zum Ursprung“. Für Konsumenten von Bioprodukten sind hohe Standards im Tierwohl selbstverständlich. Die Anbindehaltung im System der Kombinationshaltung ist hier nur mit dem täglichen Auslauf der Tiere zu argumentieren. Kontraproduktiv für die Kombinationshaltung erscheinen hier die Ausnahmeregelungen für die permanente Anbindehaltung. Stefan Lindner stößt hier in die gleiche Richtung. Die permanente Anbindehaltung ist gesellschaftlich nicht mehr erklärbar. Für ihn als Vertreter der Rinderzüchter und eines Milchverarbeitungsbetriebes sind die Umsetzung von Forschungsprojekten wie Effizient Cow, Fokuhs, Klauen-Q-Wohl,… für Tierwohl und Umwelt essentiell. Zudem muss man den Mut aufbringen, die produzierende Landwirtschaft auch herzuzeigen. Besonders erwähnte er die Besonderheit der österreichischen Rinderhaltung, wo Zucht und Veredelung in bäuerlicher Hand sind. Wichtig und essentiell für ihn ist auch die Herkunftskennzeichnung für Gemeinschaftsküchen und im Tourismus.

Bauberater Daniel Engel von der Lk Tirol zeigte in seinem Referat die Problematik des Stallneubaues auf. Die größte Hürde ist hier zweifelsfrei die große finanzielle Belastung für viele Jahre aufgrund der besonderen baulichen Vorgaben mit Hanglage, beengter Hofstelle,….. Kosten von einigen 100.000 € sind für Betriebe eine sehr große finanzielle Herausforderung. Im Rahmen der anschließenden Exkursion wurde auch ein Betrieb mit Stallneubau auf engstem Platzangebot besichtigt. 2014 wurde der zweireihige Liegeboxenlaufstall für 30 Milchkühe mit 5er-Tandem-Melkstand erbaut. Erwähnenswert zum besichtigten Betrieb ist, dass der Betrieb an die Molkerei Sterzing in Südtirol zu einem für Österreich überdurchschnittlich hohen Milchpreis liefern kann. Diese Voraussetzung hat für viele Betriebe im Berggebiet keine Gültigkeit. Damit sind bauliche Maßnahmen nur sehr schwer finanzierbar.

Max Hörmann und Sylvia Schindecker von der Lk Österreich gingen in ihren Referaten auf die gesetzten Maßnahmen ein. Im Sommer 2019 wurde das EIP-Projekt "Berg-Milchvieh" gestartet. Darin werden innovative Haltungssysteme auf Berg-Milchviehbetrieben hinsichtlich Tierwohl-Potenzial im Zusammenspiel mit Emission und ausgewählten Nachhaltigkeitskritierien untersucht als Basis für weitere umfassende und praktikable Konzepte. Zudem ist ein gemeinsamer strategischer Ansatz in der Wertschöpfungskette notwendig, um im Dialog mit der Gesellschaft und den Konsumenten einheitlich auftreten zu können.

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